Freitag, 16. März 2007

Sexueller Liberalismus

Neben Fromm's psychologisch und philosophischen Betrachtung des "Personalmarktes" haben sich auch viele andere Autoren mit diesem Problem beschaeftigt, jeder auf seine eigene Art und Weise. Vor kurzem habe ich das Buch "Ausweitung der Kampfzone" von Michel Houellebecq gelesen, welches sich ebenfalls diesem Phaenomen auseinandersetzt. Houellebecq, der auch "Elementarteilchen" geschrieben hat, ist ein durchaus umstrittener Autor, weil er die Realitaet ein wenig ueberspitzt und vor allem zynisch darstellt. Er stellt den "Personalmarkt" als "sexuellen Liberalismus" dar, welcher den selben Regeln des wirtschaftlichen Liberalismus folgt. Fromm und Houellebecq verwenden zwar einen unterschiedlichen Stil, aber letztendlich beschreiben sie beide das gleiche Problem.

"Der Sex, sagte ich mir, stellt in unserer Gesellschaft eindeutig ein zweites Differenzierungssystem dar, dass vom Geld voellig unabhaengig ist; und es funktioniert auf mindestens ebenso erbarmungslose Weise. Auch die Wirkung dieser beiden Systeme sind genau gleichartig. Wie der Wirtschaftsliberalismus - und aus analogen Gruenden - erzeugt der sexuelle Liberalismus Phaenomene absoluter Pauperisierung. Manche haben taeglich Geschlechtsverkehr; andere fuenf- oder sechsmal in ihrem Leben oder ueberhaupt nie. Manche treiben es mit hunderten Frauen, andere mit keiner. Das nennt man das "Marktgesetz". In einem Wirtschaftssystem, in dem Entlassungen verboten sind, findet ein jeder recht oder schlecht seinen Platz. In einem sexuellen System, in dem Ehebruch verboten ist, findet jeder recht oder schlecht seinen Bettgenossen. In einem voellig liberalen Wirtschaftssystem haeufen einige wenige betraechtliche Reichtuemer an; andere verkommen in der Arbeitslosigkeit und im Elend. In einem voellig liberalen Sexualsystem haben einige ein abwechslungsreiches und erregendes Sexualleben; andere sind auf Mastubation und Einsamkeit beschraenkt. Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, dass heisst, er gilt fuer alle Alterstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen."

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